Hamburger Kammerkunstverein

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Abend und Morgen

Feierabendkonzert im Oberhafen

Johannes Krebs und Franck-Thomas Link, 2017

Beethovens Cellosonate op. 5 hat den Schwung eines jungen Künstlers, lässt dessen Alterswerk aber bereits erahnen. Debussys späte Cellosonate hingegen ist der Jugend gewidmet.

Beethoven, der junge Komponist, so könnte man den Titel des Konzerts deuten, steht für den Morgen, Debussy, der alte Komponist für den Abend. Oder ist Beethoven eigentlich derjenige, der hier auf altes Wissen zurückverweist und Debussy, der beim Komponieren an die Generation nach sich denkt, der Vorwärtsgewandte?

Anfang und Ende sind in diesem Konzert gleich mehrfach ineinander verschlungen.

Snack und Einlass 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 9 € / Abendkasse 12 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Ludwig van Beethoven,
Sonate g-moll op. 5 Nr. 2 für Violoncello und Klavier

Adagio sostenuto ed espressivo
Allegro molto piu tosto presto
Rondo: Allegro

Claude Debussy,
Sonate für Violoncello und Klavier

Prologue
Sérénade et Finale

Ludwig van Beethoven,
Sonate g-moll op. 5 Nr. 2 für Violoncello und Klavier

Adagio sostenuto ed espressivo
Allegro molto piu tosto presto
Rondo: Allegro


Die Sonaten für Violoncello und Klavier, wie Ludwig van Beethoven sie als kammermusikalische Novität einführte, markieren die endgültige Emanzipation des „kleinen Basses“, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen und der sich zunächst hauptsächlich mit der Generalbass- und Orchesterfunktion bescheiden musste. Nicht zuletzt war es eine Begegnung mit dem Virtuosen Jean-Luis Duport am preußischen Hof von König Friedrich Wilhelm II., die Beethoven dazu inspiriert hatte, sich näher mit diesem Instrument und der Komposition von Cellosonaten zu befassen – zuvor hatte das Violoncello bereits im aufkommenden Streichquartett sowie im Streichtrio die Rolle des Bassfundamentes übernommen.

Seine beiden für den Berliner Hof komponierten Duosonaten op. 50 stellen die bahnbrechenden Erstlinge der klassischen Celloliteratur dar. Die g-moll-Sonate, das zweite der beiden Werke, stellt das dunkle Gegenstück zur op. 5 Nr. 1 dar. Ihr ist eine besondere – möglicherweise an Luigi Boccherini orientierte – formale Anlage eigen: Zum Allegro des ersten Satzes führt eine weitgespannte, fantasieartige Adagio-Einleitung, die einen langsamen Mittelsatz entbehrlich macht oder, genau genommen, sogar vorwegnimmt: scharf punktierte Rhythmen und schmerzliche melodische Wendungen künden von innerer Gespanntheit, die sich im anschließenden, konfliktreich verlaufenden Allegro molto piu tosto presto mit seinen treibenden Achtel- und Triolenbewegungen in leidenschaftlichen Ausbrüchen entlädt. Das Final-Rondo ist mit seinem markanten Refrainthema weiß vom Pathos des ersten Satzes nichts mehr: Es führt zurück in die heitere, verspielte Welt des galanten Zeitalters, allerdings angereichert mit einigen verschärften Akzenten, die dann doch Beethovens kraftvolle Handschrift verraten.

Beide dem preußischen König gewidmeten Cellosonaten wurden im Februar 1797 gedruckt und erschien im Artaria-Verlag. Jean-Louis Duport zeigte sich erfreut, als von Beethoven Abschriften der beiden Cellosonaten op. 5 erhielt. Im Rahmen einer Begegnung Beethovens mit dem Kontrabassisten Dominico Dragonetti in Wien ist eine Uraufführung der g-moll-Sonate durch beide Musiker bekannt, wobei sich Beethoven von Dragonettis spielerischen Fähigkeiten begeistert gezeigt haben soll.

Frank Schlatermund


Claude Debussy (1862 – 1918) begann 1915 nach einer langen Schaffenspause, die einerseits durch seine Krebserkrankung und andererseits durch die allgemeine Depression, die von dem ein Jahr zuvor ausgebrochenen Weltkrieg ausgelöst worden war, wieder zu komponieren. „Ich habe die Fähigkeit wiedererlangt, musikalisch zu denken, was mir ein ganzes Jahr nicht gelungen war. Es ist sicher nicht zwingend notwendig, dass ich Musik schreibe, ich gestehe bescheiden mein Leiden an diesem latenten Sterben ein. Nun aber habe ich geschrieben wie eine Besessener, oder wie einer, der am nächsten Tag sterben muss“, schrieb er an seinen Freund Robert Godet am 14. Oktober 1915.

Debussys Plan, sechs kammermusikalische Sonaten in verschiedenen Besetzungen zu schreiben, überrascht ein wenig. Man kann diesen Plan als den Wunsch nach einer Retrospektive begreifen. Möglich ist aber auch, dass er sich für diese fast archaische Form entschied, da durch den Krieg die Orchester nicht arbeiteten und das Konzertleben eingestellt war. Kammermusik war eher praktikabel als große Orchesterwerke. Von sechs geplanten Sonaten konnte Debussy leider nur drei fertigstellen. Die erste war die Sonate für Violoncello und Klavier, die zweite Sonate für Flöte, Viola und Harfe entstand ebenfalls 1915. Zwei Jahre später komponierte Debussy noch die Sonate für Violine und Klavier. Debussy schrieb über die Cellosonate im August 1915 an seinen Verleger Durand: „Ich denke dabei an die französische Jugend, die von jenen Händlern sogenannter Kultur stupide niedergemäht wird. Wir haben für immer das an Ruhm verloren, womit sie unser kulturelles Erbe hätte bereichern sollen. Was ich schreibe, ist eine heimliche Hommage an sie, denn wozu wäre eine Widmung gut? Es steht mir zwar nicht zu, über die Güte der Sonate zu urteilen, aber ich mag ihre – im besten Sinne des Wortes – nahezu klassische Proportion und Form.“

Franck-Thomas Link


Die Sonaten für Violoncello und Klavier, wie Ludwig van Beethoven sie als kammermusikalische Novität einführte, markieren die endgültige Emanzipation des „kleinen Basses“, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen und der sich zunächst hauptsächlich mit der Generalbass- und Orchesterfunktion bescheiden musste. Nicht zuletzt war es eine Begegnung mit dem Virtuosen Jean-Luis Duport am preußischen Hof von König Friedrich Wilhelm II., die Beethoven dazu inspiriert hatte, sich näher mit diesem Instrument und der Komposition von Cellosonaten zu befassen – zuvor hatte das Violoncello bereits im aufkommenden Streichquartett sowie im Streichtrio die Rolle des Bassfundamentes übernommen.

Seine beiden für den Berliner Hof komponierten Duosonaten op. 50 stellen die bahnbrechenden Erstlinge der klassischen Celloliteratur dar. Die g-moll-Sonate, das zweite der beiden Werke, stellt das dunkle Gegenstück zur op. 5 Nr. 1 dar. Ihr ist eine besondere – möglicherweise an Luigi Boccherini orientierte – formale Anlage eigen: Zum Allegro des ersten Satzes führt eine weitgespannte, fantasieartige Adagio-Einleitung, die einen langsamen Mittelsatz entbehrlich macht oder, genau genommen, sogar vorwegnimmt: scharf punktierte Rhythmen und schmerzliche melodische Wendungen künden von innerer Gespanntheit, die sich im anschließenden, konfliktreich verlaufenden Allegro molto piu tosto presto mit seinen treibenden Achtel- und Triolenbewegungen in leidenschaftlichen Ausbrüchen entlädt. Das Final-Rondo ist mit seinem markanten Refrainthema weiß vom Pathos des ersten Satzes nichts mehr: Es führt zurück in die heitere, verspielte Welt des galanten Zeitalters, allerdings angereichert mit einigen verschärften Akzenten, die dann doch Beethovens kraftvolle Handschrift verraten.

Beide dem preußischen König gewidmeten Cellosonaten wurden im Februar 1797 gedruckt und erschien im Artaria-Verlag. Jean-Louis Duport zeigte sich erfreut, als von Beethoven Abschriften der beiden Cellosonaten op. 5 erhielt. Im Rahmen einer Begegnung Beethovens mit dem Kontrabassisten Dominico Dragonetti in Wien ist eine Uraufführung der g-moll-Sonate durch beide Musiker bekannt, wobei sich Beethoven von Dragonettis spielerischen Fähigkeiten begeistert gezeigt haben soll.

Frank Schlatermund



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