Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Tickets

Variationen

Feierabendkonzert im Oberhafen

Franck-Thomas Link

Variation bedeutet im musikalischen Sinne Inhalt, der zunächst nur grob in eine Form gegossen ist. Wir hören berühmte Variationen von Mozart, Bach und Beethovens grandiose Klaviersonate op. 109. E-Dur ist die Tonart, die für Beethovens größte musikalische Heldin, Leonore, steht. E-Dur ist auch die Tonart der 109, die Beethoven Maximiliane von Brentano widmete. „Mit innigster Empfindung“ ist die Vortragsbezeichnung über dem letzten, berühmten Variationssatz. Bestimmt ist es kein Zufall, dass Beethoven hier das, was er zu sagen hat, immer und immer wieder, kunstvoll ausgeschmückt, aufs Neue sagt.

Gastronomie und Abendkasse 17 h, Konzert 18 h, Lounge 19 h

Mehr zur Reihe: Feierabendkonzert im Oberhafen



Vorverkauf 9 € / Abendkasse 12 € / Kammerkunstmitglieder frei


Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Tor 24, 20457 Hamburg


Wolfgang Amadeus Mozart,
12 Variationen für über ein französisches Kinderlied

Ferruccio Busoni,
Chaconne in d-moll, BWV 1004

aus der Partita Nr. 2 für Violine solo von J. S. Bach

Ludwig van Beethoven,
Sonate für Klavier E-Dur op. 109

Vivace, ma non troppo. Adagio espessivo
Prestissimo
Andante molto cantabile es espressivo


Die Melodie des französischen Kinderliedes "Ah! Vous dirai-je, Maman" ist in ganz Europa bekannt, allerdings in den verschiedenen Sprachen auch mit völlig unterschiedlichem Inhalt. Auf französisch ist es ein etwas trotziges Kinderlied, auf schwedisch beispielsweise spricht es von funkelnden Sternen und auf deutsch ist es ein Lied über den Weihnachtsmann. Mozart kannte 1778 diesen Text noch nicht, denn erst 1835 verband Hoffmann von Fallersleben die Melodie mit seinen Versen "Morgen kommt der Weihnachtsmann". Deshalb war Mozarts Interpretation sicher mit dem französischen Inhalt des Liedes verbunden. Es ist anzunehmen, dass seine Variationen dazu beitrugen, dass das Lied in aller Munde war, aber auch die Tatsache, dass die Melodie in ihrer Beschaffenheit eine typische Kinderliedmelodie ist. In Mozarts Variationen entsteht ein besonderer Reiz durch die Spannung zwischen der Einfachheit des Themas und der Virtuosität der Variationen. Trotz rasenden Sechzehntelläufen bleibt der trotzige Charakter des Themas zunächst erhalten und wird durch die Umspielungen zu einer Art witzigen Übermuts. Umspielungen, die in einer Variation der einen Hand gewidmet sind, werden in der folgenden Variation von der anderen Hand übernommen, weiter verändert und der ersten Hand wieder zugespielt. Plötzlich wendet sich alles, das Thema erscheint völlig verändert, zunächst in moll, und dann noch im Gewande eines klassischen langsamen Satzes wie etwa in einem Klavierkonzert. In der letzten Variation, dem Finale, verändert Mozart die Taktart. Durch den schnellen 3/4 Takt endet des Kinderlied, das in kurzer Zeit so viele Veränderungen durchgemacht hat, ein bisschen atemlos.


Die Chaconne d-moll von Johann Sebastian Bach ist eines der wichtigsten Werke in der gesamten Literatur für Violine solo. Sie ist der letzte Satz der d-Moll Partita und geistig und technisch wahrscheinlich für jeden Geiger eine Art Heiligtum. Abgesehen davon gilt dieses Werk immer auch als Höhepunkt der Form Chaconne. Zwei grundlegende Eigenschaften prägen eine Chaconne: Das Grundthema stammt in seinem Charakter von der Sarabande, einem Schreittanz mit einem schweren Akzent auf dem zweiten Schlag des Taktes. Außerdem ist die Chaconne eine Variationsform, die eigentlich nicht erlaubt, dass der Komponist vom Thema abweicht; d. h. das Thema ist immer mehr oder weniger präsent. Die Chaconne aus der Violinpartita von J. S. Bach hat immer wieder Komponisten und Instrumentalisten dazu angeregt, sie für andere Instrumente umzuschreiben. In modernen Fassungen wird sie von Flötisten und Marimbaphonspielern aufgegriffen. Eine der wichtigsten Klavier-Bearbeitungen ist die von Johannes Brahms für die linke Hand. Die heute gespielte Bearbeitung entstammt der Feder des italienischen Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni aus dem Jahre 1892. Während Brahms sich wörtlich an Bachs Text gehalten und keine einzige zusätzliche Note eingefügt hat, hat sich Busoni virtuose Freiheiten genommen. Diese wurden ihm gelegentlich von Puristen angekreidet. Busoni hat sich jedoch beim Bearbeiten nicht nur mit der Transkription der Töne beschäftigt, sondern auch mit der Transkription des technischen Aufwandes, den dieses Werk im Original dem Geiger abverlangt. In diesem Zusammenhang sprach Claudio Arrau von der „transzendentalen Kraft der technischen Schwierigkeit“. Sicher ist es werktreuer, wenn Brahms diese für den Ausdruck notwendige Schwierigkeit dadurch herstellt, dass er das komplette Werk nur mit einer Hand auf dem Klavier spielen lässt. Während Brahms den barocken Stil der Chaconne erhält, verändert sich die Chaconne bei Busoni zu einem romantischen Klavierstück und spiegelt darin den Geist der Zeit. Die Arbeit an Bachs d-moll Chaconne steht bei Busoni in einer langen Reihe von Bearbeitungen. Er hat u. a. Orgeltoccaten und Choralvorspiele für das Klavier bearbeitet, die noch immer in der ganzen Welt gespielt werden.

Franck-Thomas Link


Die Sonate für Klavier E-Dur op. 109 von L. v. Beethoven stammt aus seiner späten Periode, in der er bereits völlig taub war und erschien Ende 1821. Zu den Stücken dieser Periode gehören unter vielem die letzten fünf Klaviersonaten, die 9. Sinfonie, die späten Streichquartette und die Missa Solemnis.

Seine Taubheit führte Beethoven dazu, sich völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. Einsame Kuren auf dem Lande, zeitraubende und wenig erfolgreiche ärztliche Behandlungen und eine fehlendes privates Leben vergrößerten seine Einsamkeit. Dieses Rückzugs war Beethoven sich sehr bewusst. Mit seiner Musik und seinen Konzerten als Pianist hatte er großen Erfolg gehabt. Nun entwickelte er die innere Kraft, den Lebensabschnitt, der durch seine Taubheit bestimmt war, dafür zu benutzen, einen ganz neuen Kompositionsstil zu entwickeln. Seine Taubheit, die damit verbundene Einsamkeit und sein inneres Ohr, das durch die Krankheit ungebrochen weiterarbeitete, machten für Beethoven das Klavier und die Musik zum Medium seiner Meditation.

Beethoven hat sich sein ganzes Leben lang immer mit der Form der Sonate beschäftigt. Seine ersten Sonaten konnte er bereits im Alter von 13 Jahren veröffentlichen. Fürt das Klavier hat er insgesamt 32 Sonaten, für Violine und Klavier 10, und für Cello und Klavier 5 Sonaten geschrieben - eine gewaltige Zahl. Dazu kommen noch einige andere Kammermusiken, die Klavierkonzerte und das Violinkonzert, die, ähnlich wie bei Mozart, in den Kopfsätzen erweiterte Sonatenformen darstellen. Kaum jemand war je mit der Form der Sonate so vertraut wie Beethoven. Dadurch ergab sich in seiner letzten, tauben Lebensphase, dass er durch vollkommene Ausnutzung und tiefe Kenntnis dieser Form gewissermaßen über die Konvention der Sonatenhauptsatzform hinauswachsen konnte.

Über der E-Dur-Sonate liegt formal eine Art Schleier, der sich bei näherere Betrachtung nicht als zufälliger Umgang mit der Form erweist, sonders als deren meisterhafte Komprimierung und Erweiterung.

Im Zentrum des Werkes steht der dritte Satz, genauer, das Thema dieses Variationssatzes. Es wird zu Beginn des Satzes mit Wiederholungen vorgestellt. Das erste Thema ist eine herrliche, sehr verinnerlichte Melodie, die aus einer ähnlichen Sphäre stammt wie der langsame Satz des c-moll-Klavierkonzerts, ist beinahe wie ein choralariger Streichersatz gesetzt. Die Wiederholungen beider Teile dieses Choralsbekommen im Verlauf der Variationen immer größere Bedeutung. Eigentlich sind es nur 6 Variationen, z. T. jedoch Doppelvariationen. Beethoven nutzt die Wiederholungen aus, um die Verdichtung und Dramatisierung des Adagio-Themas immer weiter und mächtiger voranzutreiben. Er beleuchtet das Thema von allen Seiten, indem er Tempo und Dynamik nutzt, bis er das ursprünglich so schlichte Thema praktisch demontiert hat und es sich kurz vor Ende des Satzes nach einem dramatischen Fugato in Trillern, Läufen und Arpeggien aufzulösen scheint. Die Musik scheint zu explodieren, ein weiteres Fortkommen unmöglich. Da leuchtet plötzlich das Thema in seiner ursprünglichen Einfachkeit wieder auf, dieses Mal ohne Wiederholungen, ohne Frage, ohne Antwort.

Schon der Anfang der Sonate ist irreführend. Sie beginnt mit einem Vivace, das allerdings von einem frei improvisiert wirkenden Adagio unterbrochen wird. Man glaubt für einen kurzen Moment, sich in einer Fantasie im Stile CPE Bachs oder Mozarts zu befinden. Tatsächlich aber ist dieser Satz ein echter Sonatensatz, das Vivace stellt die erste, das Adagio die zweite Themengruppe dar.

Eine andere Art von Verschleierung findet auch im zweiten Satz. Dort steht ein Prestissimo statt des üblichen langsamen Satzes. Man glaubt sich in den Kopfsatz einer großen e-moll-Sonate versetzt, der erste Satz klingt in der Erinnerung plötzlich wie eine Einleitung. Beethoven scheint diese beiden Sätze, die er auch nicht durch den üblichen Doppelstrich voneinander trennte, als Musik geschrieben zu haben, die es ermöglicht, sich für die große innere Reise des dritten Satzes zu öffnen.

Franck-Thomas Link



Tickets

Reservierung über buero at antispam-dies-bitte-entfernen kammerkunst punkt de und +49 40 31796940.

Oder einfach online reservieren und, wenn gewünscht, bezahlen:


Variationen
Feierabendkonzert im Oberhafen








  Stück

Dieses Feld bitte leer lassen, es dient als Spam-Falle.


Dürfen wir Sie künftig per Email einladen?

Ja, gerne